Alle 600 Heimatvereine in Westfalen sind unter dem Dach des Westfälischen Hematbundes (WHB) organisiert. Unser Dachverband feierte am 20. Dezember 2025 sein 110-jähriges Bestehen. Hierzu gibt es eine Wanderausstellung, die noch bis zum 31. Januar 2026 im Landeshaus Münster des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zu sehen ist. Anschliessend wird die Ausstellung in verschiedenen Orten in Westfalen zu sehen sein.
Hierzu lädt der WHB alle recht herzlich ein.
"Mit dieser Nachricht möchten wir Sie noch einmal herzlich an die bevorstehende Eröffnung der Ausstellung „Heimat gestalten – Westfalen erzählen. Der Westfälische Heimatbund von 1915 bis heute“ erinnern, die am 19. Januar 2026 um 15:30 Uhr im LWL-Landeshaus in Münster, Freiherr-Vom-Stein-Platz 1, stattfindet. Es würde uns sehr freuen, diesen Anlass gemeinsam mit Ihnen zu begehen.
Seit mehr als 100 Jahren prägt der Westfälische Heimatbund e. V. (WHB) – heute Dachverband für rund 130.000 für Kultur, Natur und lebenswerte Orte Engagierte in Westfalen – das Verständnis von „Heimat“ in Westfalen mit. Doch was bedeutet „Heimat“ eigentlich? Wie haben sich Vorstellungen von Heimat im Laufe der Zeit verändert – und welche Rolle spielte dabei der WHB?
Diesen Fragen geht der Westfälische Heimatbund e. V. in Zusammenarbeit mit dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte im Rahmen des von der LWL-Kulturstiftung geförderten Projekts „Der Westfälische Heimatbund im 20. und 21. Jahrhundert: Heimatmachen im gesellschaftlichen Wandel zwischen 1915 und 2025“ nach. Die Ausstellung bildet einen wichtigen Bestandteil dieses Vorhabens.
In der Geschichte des Heimatbundes bündelt sich wie unter einem Brennglas der gesellschaftliche Wandel in Westfalen. An der Arbeit des WHB lassen sich Veränderungen des Heimat-Begriffes ebenso nachvollziehen wie von Raumbezügen und Gruppenzugehörigkeit, von Teilhabe, bürgerschaftlichem Engagement und Ehrenamt, vom Verhältnis zwischen Stadt und Land, zwischen Natur und Mensch, zwischen Westfalen und der Welt. Angesichts dieser Fragen ist das Erstaunen groß, dass bisher keine historische Erforschung des WHB erfolgt ist. Es ist daher an der Zeit für eine kritische Aufarbeitung von Vergangenheit und Gegenwart des Verbandes, die zu einer interaktiven Auseinandersetzung mit einem Stück westfälischer Geschichte und Perspektiven von Heimat heute einlädt.
Die Ausstellung beleuchtet die unterschiedlichen Konzepte von Heimat, die der WHB im Laufe seiner Geschichte vertreten hat. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Deutungen von Westfalen, die sich nicht nur in mentalen Bildern, sondern auch in territorialen Zuschreibungen äußern. Diese unterschiedlichen Antworten prägten sowohl die Wahrnehmung der Region als auch das Selbstverständnis des WHB. Zudem zeigt die Ausstellung die Entwicklung des WHB von 1915 bis in die Gegenwart. Die sich wandelnden Strukturen, Handlungsfelder und Haltungen spiegeln die gesellschaftliche Transformation wider. Daraus ist ein WHB entstanden, der sich heute entschieden für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe einsetzt und gesellschaftsrelevante Themen sowie die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Ehrenamts in den Fokus nimmt."
Zur Geschichte des WHB schreibt dieser auf seiner Homepage:
Geschichte des Verbandes
"Der WHB wurde am 20. Dezember 1915 unter anderem auf Initiative von Engelbert Freiherr von Kerckerinck zur Borg als Dachorganisation der Heimatvereine in der preußischen Provinz Westfalen gegründet. Schwerpunktsetzung waren zunächst Themen der Denkmalpflege und Baukultur verbunden mit dem Erhalt des Dorf- und Stadtbildes. Hinzu traten Bewahrung, Sammlung und Erforschung von Zeugnissen des kulturellen und natürlichen Erbes. Zu Beginn der Heimatbewegung stand durchaus die Kritik an modernen Entwicklungen im Zuge der Industrialisierung im Fokus.
Seit den 1920er-Jahren untergliedert sich der WHB in sogenannte Heimatgebiete, in den 1930er-Jahren wurden ergänzend Kreisgebiete sowie themenbezogene Arbeitskreise (Fachstellen) eingeführt. In dieser Zeit propagierte der Mitbegründer und Geschäftsführer des Westfälischen Heimatbundes Karl Wagenfeld eine regionale Identität im Sinne einer vermeintlichen westfälischen „Stammesart“. Während des Nationalsozialismus wurde der WHB wie auch andere Verbände und Vereine gleichgeschaltet. Verfechterinnen und Verfechter der „Blut- und Bodenideologie“ missbrauchten den Heimatgedanken für ihre Zwecke, während sich Vertreter der Heimatbewegung bereitwillig in den Dienst des totalitären Systems stellten. Auf diese Weise wurde der Heimatbegriff diskreditiert.
Die Inhalte und Formen der Verbandsarbeit wandelten sich in den Jahrzehnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Integration von Vertriebenen und Flüchtlingen in den Blick. Die industrialisierte Welt gewann an Akzeptanz. Das Ruhrgebiet mit seinem großstädtischen Kontext gewann nun als Region an Bedeutung. Das technische Zeitalter mit seinen Denkmälern erweckte Aufmerksamkeit. Der Heimatbegriff wurde breiter gefasst.
Seit Beginn der 1970er-Jahre erlebte der Denkmalschutz weiteren Aufschwung, und die Umweltschutzbewegung setzte verstärkt ein. Mit der kommunalen Neugliederung erfuhren Vereinsgründungen eine Renaissance. Es entstand ein neues Interesse an räumlichen Bezügen sowie Orts- und Regionalgeschichte. Überall gründeten sich kleine lokalgeschichtliche Museen und Sammlungen. Heimatvereine boten Möglichkeiten der Gemeinschaftsbildung und der Orientierung.
Der WHB versteht sich heute als Dienstleister und Netzwerk für eine zukunftsgewandte Heimatarbeit. Mit seiner Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements zielt der WHB auf eine Verbesserung der Lebensqualität in Dörfern, Städten und Region sowie die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse.
Es besteht eine historisch gewachsene, kontinuierliche Verbindung zwischen WHB und zunächst Provinzialverband sowie seinem Nachfolger Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Der WHB nimmt für den LWL im Rahmen einer institutionellen Förderung Aufgaben der regionalen Heimat- und Kulturpflege wahr. Darüber hinaus trägt der WHB mit seiner Breitenwirkung landeskundliche Erkenntnisse in die Region. Den Vorsitz des WHB hat traditionell die Direktorin beziehungsweise der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe inne."