
Ein Leiterwagen steht an der Kreisstrasse - Eine Aktion des Selmer Heimatvereins
Ein Leiterwagen steht an der Kreisstrasse - Eine Aktion des Selmer Heimatvereins
Im Bereich des alten Torhauses Schulze-Weischer an der Kreisstraße steht jetzt unser Leiterwagen mit unserem Jubiläumsbanner und Motto: "100 Jahre Heimatverein Selm e.V. - Vergangenheit bewahren - Gegenwart gestalten - Zukunft planen."
Zum Stadtfest hatte unser Mitglied Ludger Bergmann die Idee einen Leiterwagen zu bauen. In der Nachbarschaft fand sich ein solches Gefährt, dass noch "nackt" war. Zwischen den Achsen befand sich ein sechs Meter langes Rundholz, was das Fahren nicht gerade erleichterte. Also ging es an den Umbau. Das Fahrwerk wurde auf 3,50 Meter eingekürzt und der Leiterrahmen ganz aus Holz neu aufgebaut. Pünktlich zum Stadtfest erschien dieser in neuem Glanz und fand für einen Tag seinen Standort vor der Burg Botzlar.
Doch dieses schöne Fahrzeug sollte nicht in der Versenkung verschwinden. Deswegen hat er an historischer Stelle einen neuen Platz gefunden.
Aber was ist ein Leiterwagen und welchen Zwecken diente er? Hierzu geben wir hier Auskunft:
In der Landwirtschaft ist ein Leiterwagen, auch Ringsenwagen, ein traditioneller, meist hölzerner Wagen mit Deichsel, dessen Seitenwände die Form einer Leiter haben. Die schräg stehenden Leitern wurden nach unten oft mit Rungen an den Radachsen abgestützt.
Geschichte
Die Herstellung erfolgte in der Stellmacherei durch den Wagner bzw. Radmacher. Beim Bau verwendete man hauptsächlich Buchen-, Eichen- oder Eschenholz. Der Radkranz der hölzernen Speichenräder wurde durch den Schmied in einer Schmiede mit dem Radreifen bereift und mit dem Radnagel an der Achse befestigt. Kleine, mit der Hand gezogene Leiterwagen werden in einigen Gegenden als Bollerwagen oder Karre bezeichnet. Leiterwagen dienten vorwiegend bei der Ernte zum Einbringen von Stroh, Heu und anderen landwirtschaftlichen Produkten.
Auch Jauchefässer und Personen wurden mit Leiterwagen transportiert. Als Zugtiere dienten Pferde – ein- oder zweispännig – sowie Ochsen und Kühe. Mit der Verbreitung von Traktoren wurden die Leiterwagen weitergenutzt.
Durch die Möglichkeit zum einfachen Umbau wurden Leiterwagen zum vielseitigen Transportmittel. Zur Beförderung von Holz und anderen Gütern konnten die Leitern abgenommen werden. Für die Mitnahme von losen Gütern wie Getreide, die zwischen den Sprossen durchfallen würden, war ein Jutetuch im Wagen ausgelegt. Zum Verlasten von Mist konnten vor die Leitern Bretter gestellt werden. Der Mist wurde mit der Harke oder dem Karst vom Wagen gezogen und auf dem Feld verteilt.
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