Burg Botzlar offiziell eröffnet - Festakt und Tag der offenen Tür

Burg Botzlar offiziell eröffnet - Festakt und Tag der offenen Tür

Am 10. Mai 2025 war es endlich soweit: Mit einem Festakt, den die Stadt Selm und die Bürgerstiftung Selm veranstalteten, wurde die Burg Botzlar eingeweiht. Viele Ehrengäste aus Verwaltung, Politik, den beteiligten Baufirmen und nicht zuletzt Sponsoren waren gekommen, um die Vollendung eines Projektes zu feiern, dessen Wurzeln bis in das Jahr 2012 zurückreichen.

Am 30. September 2012 feierte Selm den 35. Jahrestag der Stadtwerdung mit einem großen Stadtfest. Im Rahmen dieses Festes kündigte Norbert Rethmann an, dass er der Bürgerstiftung einen Geldbetrag stiften werde, damit diese die Burg Botzlar kaufen und zu einem Zentrum für die Heimat- und andere Vereine entwickeln kann. Die Ankündigung traf alle Anwesenden völlig überraschend. Nun hatte man Geld, aber auch einen großen Berg an Aufgaben.

Es galt nicht nur den Kauf zu organisieren. Die Burg musste saniert und zu einem Bürgerzentrum umgebaut werden. Keine leichte Aufgabe bei einem Gebäude, dass mehr als 800 Jahre alt ist und bei dessen Umbau die Vorschriften des Denkmalschutzes zu beachten sind. Um eine Sanierung und den Umbau finanzieren zu können, bedurfte es staatlicher Zuschüsse. Zuerst hoffte man Landesmittel aus der "Regionale 2016" zu erhalten. Doch aus diesem Fördertopf wurden andere Selmer Projekte ("Aktive Mitte Selm" mit dem Campus, Auenpark, usw.) finaniert. Um einen neuen Antrag stellen zu können, war eine umfassende Planung und ein detaillierter Förder- und Finanzplan erforderlich. Am Ende dieses Weges, gab es eine Zusage aus Mitteln der Städtebauförderung des Landes NRW.

Mit dem Spatenstich, der am 8. August 2022 vollzogen wurde, begannen die Bauarbeiten. Doch zuvor waren archäologische Ausgrabungen durchzuführen und historisch bedeutende Funde zu sichern. Das gesamte Gebäude wurde entkernt und eine neue Raumaufteilung vorgenommen. Auf der Seite der Bürgerstiftung kann man die vielen Fotos sehen, die die Bauphase zeigen.

Immer wieder gab es beim Bauen Überraschungen, neue Erkenntnisse und Probleme, die gelöst werden mussten. Im Herbst 2024 sollten dann die Baurbeiten im Inneren des Gebäudes abgeschlossen sein und im Oktober Einweihung gefeiert werden. Doch dann ereignete sich auf der Baustelle ein tödlicher Arbeitsunfall. Es folgten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und viele weitere Verzögerungen, so dass ein vollständiger Abschluss der Arbeiten erst im Jahr 2025 erfolgen konnte.

Der Heimatverein Selm bezog im Dezember 2024 seinen Raum in der Burg. Mit der Adventsfeier unseres Vereins fand am 6. Dezember die erste große Veranstaltung im Ratssaal statt.

Nach diesem langen Prozess, der letztendlich 13 Jahre gedauert hat, ist nun das neue Bürger- und Vereinszentrum Burg Botzlar entstanden. Eigentümer ist die Bürgerstiftung. Die Vermietung und Vermaktung der Burg wird vom stadteigenen Betrieb FoKuS durchgeführt. Jeder Bürger, jeder Verein, Organisation, jeder Betrieb kann die Räume mieten und nutzen.

Mehr über die Geschichte der Burg Botzlar erfahren Sie auf der Homepage der digitalen Geschichtsplattform VIRTEUM.

Weitere Informationen und Bilder der Eröffnungsveranstaltung finden Sie auf der Homepage der  Stadt Selm - Eröffnung Burg Botzlar.

Archäologische Ausgrabungen

Im Jahr 2018 fanden die archäologischen Ausgrabungen statt. Hierzu wurde folgender Bericht erstellt:

Knochen und ein Zahn liegen neben einer Grube im Gras. Schlachtabfälle aus alten Zeiten, vielleicht eine Mahlzeit der Ex-Bewohner der Burg Botzlar? Geschichte wird lebendig in Selm. Archäologen sind seit zwei Wochen auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit.

Anfang nächsten Jahres sollen die Baumaschinen rollen, dann beginnt der Umbau der Burg Botzlar zum Bürgerzentrum. Treffpunkt war Burg Botzlar schon in früheren Zeiten, weniger aber für nette Gespräche. Quellen erwähnen die Burg zum ersten Mal im dreizehnten Jahrhundert aus Anlass der Übertragung an den Bischof von Münster. Liebe deinen Nächsten galt in diesen Zeiten nicht so sehr für den Kirchenmann, denn der brauchte die Burg als Grenzsicherung zum Gebiet der Grafen von der Mark. Im Streit mit den Adeligen ging es mächtig zur Sache, zwei Mal zerstörten die gräflichen Truppen die Burg Botzlar, doch das trutzige Steinhaus wurde wieder aufgebaut und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Zerstörung droht bald allerdings aus anderer Richtung. Wenn Burg Botzlar zur Baustelle wird, sind die Relikte aus der Vergangenheit im Boden in Gefahr. In Abstimmung mit der Stadt Selm sind deshalb vor den Bauarbeitern die Archäologen im Bereich der späteren Baustelle am Zug.

Kaffeebecher-Deckel als Markierung

Zwei Wochen arbeitet eine Fachfirma aus Dortmund schon im Auftrag des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe an der Burg. Fundamente alter Mauern haben die Experten unter der Leitung des Archäologen Thies Evers bei ihrer Suche freigelegt, zum Teil aus Kalkstein, zum Teil aus Backstein. Zentimeter für Zentimeter arbeiteten sie sich in den Boden vor, was zum Vorschein kommt, dokumentieren sie für die Nachwelt. Im Untergrund trifft Vergangenheit auf Gegenwart. Leitungen für Gas und Internet durchschneiden die alten Mauern, ein paar Meter weiter ragt der Anschluss zur Kanalisation aus dem Boden. Deckel von Kaffeebechern sind mit kleinen Nägeln in das Erdreich gesteckt, sie markieren über hundert Stellen die von Interesse sein könnten für die Forschung zur Geschichte der Burg. Funde von Bedeutung - viele Menschen denken da gleich an Schätze, doch für die Archäologen versteckt sich Interessantes oft auch im Abfall. "Müll verrät sehr viel über die Menschen und ihre Art zu leben", erklärt Dr. Andreas Wunschel vom Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Scherben sind Weser-Werra-Ware

Die Scherben, die im Boden hinter der Burg gefunden wurden, sind so ein Beispiel. Wie Stücke von alten Blumentöpfen sehen sie aus, doch Archäologe Thies Evers kennt ihre Herkunft: Reste von Weser-Werra-Ware sind es, benannt nach den beiden Flüssen in ihrer Herkunfts-Region und typische "rote Irdenware" für das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert. Erde klebt an den Funden, darunter schimmert eine zarte gelbe Malerei. Zentimeter neben den Mauern der Burg steckt noch so ein Stück in der Erde, rund mit einem Loch in der Mitte. "Der Ausguss einer Kanne könnte das sein", vermutet Thies Evers. Die Archäologen haben gleich nebenan eine alte Baugrube ausgehoben, sie gibt den Blick frei auf mächtige, ja wehrhaft wirkende Steine in der Burgmauer. Die Reste des mittelalterlichen Bergfrieds? Wie Dr. Andreas Wunschel berichtet, sind die angeblich in der heutigen Burg verbaut - was bisher fehlt, ist der definitive Beweis. Überraschungen sind bei so einer Ausgrabung aber immer möglich, das ist so eine Art Grundregel der Archäologie. Die Experten machen noch einige Tage weiter und mit ihrer Sorgfalt und etwas Glück gibt es am Ende mehr Antworten als Fragen zur alten Burg Botzlar.

Rückblick auf die 35-Jahr-Feier im Jahr 2012

Die längste Tafel der Stadt, Schlagerparty, Nacht der Legenden, Amtshaus-Geburtstag. Eine Woche lang wurden in Selm die Superlative gefeiert. Und gerade als alle dachten, dass mehr kaum noch geht, packte Norbert Rethmann beim offiziellen Festakt am Sonntag sein Geschenk aus.

Das hatte es in sich: Die Familie Rethmann schenkt der Bürgerstiftung Selm Geld. Soviel Geld, dass diese die Burg Botzlar kaufen und renovieren kann. "Und für das Freibad Selm bleibt auch noch etwas übrig", so Norbert Rethmann schmunzelnd. Damit hatte der Ehrenaufsichtsratsvorsitzender der weltweit tätigen Rethmann-Gruppe, die in Selm ihre Wurzeln hat, die Überraschung auf seiner Seite. Auf einen Schlag scheinen zwei Selmer Probleme gelöst. NRW-Innenminister Ralf Jäger war der zweite Mann, der an diesem Sonntag in Bork überraschte. Während Landrat Michael Makiolla mit Landtagsabgeordneten Rainer Schmeltzer und Polizisten auf den hohen Besuch am vereinbarten Treffpunkt wartete, kam der Minister ganz bodenständig zu Fuß durch die Oldtimerausstellung geschlendert. Im Festzelt nahm Jäger Bürgermeister Mario Löhr auf's Korn: "Sie müssen hier in Selm ordentlich gefeiert haben, so kaputt und heiser habe ich Mario Löhr noch nie erlebt." Und in der Tat, der Bürgermeister klang etwas angeschlagen, als er seine Rede hielt. Löhr dankte allen Helfern und zog eine erste Stadtfest-Bilanz: "Besser konnten wir es gar nicht haben." Ein Dank ging auch in Richtung der 20 Firmen, die das Stadtfest gesponsert und damit überhaupt erst möglich gemacht hatten. Bei strahlendem Sonnenschein wurde am Sonntag auch rund um das Geburtstagskind Amtshaus, das die Besucher beim Tag der offenen Tür besichtigen konnten, gefeiert. Die Selmer Schützenvereine boten mit ihrem Sternmarsch eine beeindruckende Kulisse. Auf der gesperrten Hauptstraße stellten Oldtimer-Besitzer ihre alten Schätzchen aus. Am Abend um 20.30 Uhr endet die Festwoche mit einem großen Feuerwerk.

Die unten aufgeführten Bilder zeigen die Burg Botzlar in den 1930-er-Jahren, die Ausgrabungen 2018, die kleine historische Ausstellung im Geschäftszimmer des Heimatvereins am 10.05.2025 und Bilder von der 35-Jahr-Feier im Jahre 2012.

 

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Eintrag vom: 10.05.2025